Gelandet

BBK-Jahresausstellung 2008

7.9. – 12. 10. 2008

Gelandet

Das Thema Landschaft teilt das Schicksal der Malerei. Totgesagt und begraben, taucht es in regelmäßigen Konjunkturwellen, durch Zeitgeistschübe, Medienwandel und Technologiezuwachs neu gehäutet, immer wieder auf. Je größer das Gepäck der Tradition wird, je stärker das Landschaftsbild als Illusionsfalle und Fluchtpunkt belastet ist, desto größer die Herausforderung an den zeitgenössischen Künstler. Doch der Reiz, sich dem wechselnden Verhältnis des Menschen zu seiner Lebenswelt zu stellen, sichert auch das Überleben des Sujets.

Nach dem „Porträt“ im Jahr 2006 hat der BBK Bremen in seiner diesjährigen Jahresausstellung damit erneut ein klassisches Genre aufgegriffen. Die Resonanz war wieder erheblich und belegt die Lebensdauer, aber auch den Stellenwert des Themas. Viele Künstler verfolgen die „Landschaft“ als zentralen Strang ihrer Arbeit. Sowohl in der mehrheitlich vertretenen Malerei, als auch in Fotografie, Objektkunst, Installation, Video und Performance tritt das Thema in häufig überraschender Frische, aber auch in intensiver Auseinandersetzung mit der Überlieferung auf.

Als Geburtsstunde des individuellen Landschaftserlebens gilt Petrarcas Besteigung des Mont Ventoux im April 1336. In diesem Aufstieg liegt ein Ausstieg des Betrachters aus seinem natürlichen Lebenszusammenhang. Reflektiert die Kunst lediglich die Entfremdung des Menschen von der Landschaft oder befördert sie das Subjekt-Objekt-Verhältnis als Grundbedingung ihrer eigenen Existenz? Wie sehen Künstler das Verhältnis von natürlicher und menschlicher Ordnung?

Erst die zunehmende Distanz des neuzeitlichen Menschen zur Natur scheint das Sehen und geistige Wahrnehmen von Landschaft hervorgebracht zu haben, das sich bis heute in unterschiedlichsten künstlerischen Äußerungen niederschlägt. Von der Bildproduktion vor der Landschaft als Akt der Befreiung über die Erkundung der Natur als Therapeutikum gegen Zivilisationskrankheiten und die Entdeckung der Landschaft als Impuls zur Abstraktion führt der Weg zu einem Landschaftsbild, das mehr an Klischees, Bildkonventionen und Medienangeboten anschließt als an direkte Naturerfahrungen und –wahrnehmung.

Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen: Wirklichkeit als Bildauslöser und die daraus resultierende künstlerische Umsetzung von Landschaft als Imagination und Illusion von natürlicher und konstruierter Lebenswelt werden immer Thema sein. Die Auseinandersetzung mit ihr, die Darstellung und die Reflexion, wird immer, und das macht sie so spannend, die vorherrschenden gedanklichen, gesellschaftlichen und ästhetischen Fragestellungen der jeweiligen Zeit widerspiegeln. (…)

Rainer Beßling

Ausstellungsort:
Städtische Galerie Bremen
Buntentorsteinweg 112
28201 Bremen